Wenn ich mir die Diskussion zwischen den so genannten Exklusionisten und den so genannten Inklusionisten (zwei Worte, die ich tatsaechlich erst in dieser Diskussion kennengelernt habe...) rund um die Relevanz von Wikipedia-Artikeln anschaue, so erinnert mich das, was da grade laeuft an eine voellig alltaegliche Sache, wie man sie in jedem Kindergarten beobachten kann.

Eine Gruppe Kleinkinder bekommt ein tolles neues Spielzeug, dass davon lebt, dass alle mitspielen. Sagen wir, einen kleinen Kaufmannsladen mit einer (vielleicht sogar echten) Kasse und Spielgeld. Am Anfang ist alles toll, alle sind euphorisch und am Spielen. Jeder hat Spass an seiner Rolle. Besonders derjenige, der an der Kasse sitzt, weil sich alles um ihn dreht.
Aber dann wollen die Kinder, die bisher immer "einkaufen gegangen sind" auch mal an der Kasse sitzen, diesem hochherrschaftlichen und Autoritaet verleihendem Geraet. Aber das Kind hinter der Kasse fuehlt sich sichtlich wohl und findet, dass die anderen damit gar nicht um koennen. Und ueberhaupt ist doch jeder in seiner Rolle gluecklich wie es jetzt ist! Und nun spielen wir weiter!
Ueber lang oder kurz wird die Eifersucht siegen und das Vergnuegen ein Ende haben (welches sich zumeist unter "mit euch spiel ich nieeee mehr!"-Geheul dem Beobachter aufdraengt) und, in Ermangelung weiterer Spielkameraden, wie auch in Erinnerung der prekaeren Situation, die die Kasse geschaffen hat, wird man das Spielzeug meiden. Oder es geht im Streit kaputt und alle trauern ein wenig darum, sind aber innerlich froh, dass der Keil, der sich zwischen sie trieb nicht mehr da ist. Oder es wird den Kindern schlicht und ergreifend ("wenn ihr euch nur drum streitet, bekommt es keiner") von den Aufsichtspersonen weggenommen.

Kein Problem hingegen gibt es klassischerweise bei Spielen, bei denen die Konkurrenz um das Spiel-Zeug direkt Sinn des Spieles ist (z.B. Ballspiele) und wo es niemand lange Zeit am Stueck besitzt, oder Spiele, in denen alle das gleiche Spielzeug haben oder zumindest keine Konkurrenz darum besteht weil es genuegend davon gibt (Foermchen und Schaufeln im Sandkasten). Oder wenn es schlicht kein materielles Spielzeug gibt (Verstecken, Tick, ...).

Wem das jetzt zuviel Text auf einmal war, der sehe sich die Simpsons-Episode 21 aus der Staffel 2 an (die uebrigens relevant genug ist fuer eine Erwaehnung in der deutschen Wikipedia): "Drei Freunde und ein Comic-Heft". Kurzinhalt (soweit hier relevant): Bart, Milhouse und Martin kaufen sich gemeinsam ein wertvolles Comic-Heft; lesen es gemeinsam. Dann ist Abend und Streit entzuendet sich an der Frage, wer das Heft in seine Obhut mit nach Hause nimmt. Am Ende wird das Heft im Streit zerstoert und die drei versoehnen sich wieder.

Und wer keinen Bezug zu Wikipedia herstellen konnte, dem sei mit diesem Ansatz geholfen:

Meine Prognose fuer die Zukunft:
Wikipedia wird irrelevant und (kaputt oder auch nicht) in der Ecke landen und durch neue Spielzeuge ersetzt werden. Vielleicht ja solche, die keine Konkurrenz um die Entscheidungshoheit aufbauen oder solche, bei denen ein spielerisches Ringen um diese zum Konzept gehoert.

Und im Moment? Was ist die Wikipedia?

"Wikipedia ist die Summe dessen, wovon eine handvoll Menschen glauben, dass es in der realen Welt von Relevanz ist.".
oder kurz
"Wikipedia ist das, wovon Geeks glauben, dass es RL ist."
Meine ganz persoenliche, augenzwinkernde, These.

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