Wenn man heute per Netzwerk an einem Remote-Dienst arbeitet, dann ist es fast schon selbstverstaendlich, dass beispielsweise RDP in der Lage ist, den lokalen Drucker durchzuschleifen, so dass man ihn vom Remotearbeitsplatz aus wie gewohnt nutzen kann. Oder aber man gibt den Drucker, der mittlerweile ja auch schon bevorzugt direkt am Netzwerk haengt direkt fuer alle Interessenten frei. Aber diese Techniken sind nicht wirklich neu (also insbesondere das Durchschleifen), schon serielle Terminals beherrschten es. Da ich immer wieder riskiere, zu vergessen wie das ging, hab ich es endlich mal niedergeschrieben. Vielleicht hilft es ja noch jemandem.

Serielle Terminals, Drucken?

Da ich mich, wie der ein- oder andere vielleicht schon aus anderen Artikeln herausgelesen haben mag, dann und wann mal mit alter Rechentechnik befasse, wird es auch niemanden ernsthaft verwundern, dass sich in meinen Besitztuemern auch zwei serielle Terminals befinden (vor ein paar Jahren hat der damals fuer mich oertliche Expert-Laden von echten Terminals auf unter Windows Emulierte umgestellt und ich bin zum Resteauffangen hingefahren. Ein Tipp: Ein 5kg schweres Terminal sollte man mit mehr als mit einem Fahrrad transportieren!). Dabei handelt es sich um

also alles in allem zwei huebsche Strahlenkanonen.
Und nun der Sprung: Beide haben auf ihrer Rueckseite einen Anschluss fuer einen Drucker, erwartet wird ein frueher ueblicher Zeilendrucker, also eines dieser alten lauten Monster, bei denen man Aktivitaet auf viele Stockwerke orten kann. An den werden einfach nur ASCII-Steuer- und Druckzeichen geschickt. Wenn man sowas noch auftreiben kann (ich kann, ein alter Commodore MPS 1200 (liebevoll aufgrund der Typenbezeichnung als "mopps" bezeichnet) steht ueber nur wenige soziale Kanten greifbar auf einem Dachboden) und ihn anschliesst, dann gibt es zwei Anwendungen.
Zum einen kann man alles drucken, was ueber das Terminal geht -- frueher durchaus zum Aufzeichnen von Sitzungen ueblich. Aber das ist nicht wirklich spannend. Man richtet es einmal ein und kann sich dann am Kreischen des Druckers orientieren, wie voll das home-Verzeichnis ist. Oder wasauchimmer. Oder einfach nur Papier verschwenden.
Die andere Einsatzart ist deutlich spannender: Als Drucker, der von den Remote aufgerufenen Programmen genutzt werden kann :) -- Das sieht man dem VT100-Befehlssatz zwar von aussen gar nicht wirklich an, aber er beherrscht sogar sowas.

Und wie nu?

Zum Aktivieren des Drucken-Modus eignet sich die folgende Escape-Sequenz:

ESC[5i
danach sollte der Drucker froehlich alles kritzeln, was ankommt. Ohne es auf den Bildschirm zu schmeissen. Das muss man natuerlich auch wieder beenden. Dazu eignet sich die folgende Escape-Sequenz:
ESC[4i
nach der dann der Spuk zuende ist.

Und heute?

Wer hat heute noch ein serielles Terminal? Ok, ist selten geworden. Aber trotzdem haben ausreichend viele Windows-Benutzer noch etwas dabei, was diese Druckerei mitmacht: Die gute alte Terminalemulation HyperTerminal, dabei seit Windows 95. HyperTerminal kann sich auf seriellen Anschluessen verbinden oder beherrscht auch alternativ Telnet. Leider kein ssh. Also kommt man um das Kabelziehen nicht herum, oder aber man muss einen Telnetserver laufen haben -- was auch nicht jedermanns Geschmack ist. Das ist aber wohl momentan die einzige Moeglichkeit um diese fruehe Art des Remote-Printings zu geniessen; das unter Windows sogar mit dem Standarddrucker, der dann auch ein Laser- oder Tintendrucker sein kann und somit um Dimensionen leiser. Und der vielleicht auch nur per RDP angebunden ist.

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