Ueberall beobachten mich Kameras. In Geschaeften, in Bussen und Bahnen, auf Bahnhoefen und auf der Strasse muss ich mir gefallen lassen, dass mein Bild aufgezeichnet wird. Kann man da nicht was gegen tun?

Die Idee

Lady Ada hat auf dem C24C3 einige sehr interessante Accesoires fuer den Berieselungsmuffel vorgestellt, unter anderem das tv-b-gone. Das ist eine kleine Schaltung aus einem Microcontroller und einer oder mehreren Infrarot-LEDs, welche auf Knopfdruck die Ausschaltsequenzen aller gaengigen Fernsehgeraete von sich gibt. Quasi ein Universalausschalter. So etwas gibt es in der Form fuer Ueberwachungskameras zwar nicht, aber wenn man einem Gegner gegenueber schon nicht unsichtbar sein kann, dann kann man doch immerhin versuchen, dafuer zu sorgen, dass das Gegenueber geblendet ist, im Angesicht der eigenen Schoenheit.
Oder irgendwie so.
Das fuehrt den Betrachter direkt zur Frage "wie blende ich eine Ueberwachungskamera"? Die banale Antwort lautet "wie einen Menschen". Will man verhindern, dass ein Mensch Etwas erkennt, so stelle man neben das Etwas eine signifikant groessere Lichtquelle auf. Die Physiologie des menschlichen Auges sorgt dann fuer den Rest: Der Betrachter kneift die Augen zusammen oder er setzt eine Sonnenbrille auf oder sein Auge reguliert die Helligkeit durch verkleinern der Pupille. Das Ergebnis ist in jedem Fall, dass das helle Objekt ertraeglich wird und das daneben befindliche unkenntlich. Genau so muss man auch an Kameras herangehen. Denn genau wie das menschliche Auge sind sie nicht in der Lage, nur einen Teil des Bildes abzudunkeln (in der analogen Fotografie macht man sowas in der Dunkelkammer unter dem Namen "abwedeln", deshalb kann man durch Blenden in gewissem Rahmen nichts gegen eine analoge Fotografie machen).
Natuerlich kann man auch digitale Bilder nachbearbeiten und mit z.B. Photoshop abwedeln lassen. Das hat aber im Gegensatz zur Analogen Fotografie eine einfach zu erreichende Grenze: Dann, wenn der Sensor gesaettigt ist. Sicher, eine analoge Aufnahme laesst sich auch in den Saettigungsbereich bringen -- aber er ist lange nicht so leicht zu erreichen, da die Saettigungskurve im oberen Bereich in der analogen Fotographie eher logarithmisch ist und sich asymptotisch der totalen Belichtung naehert. In der digitalen Fotografie ist es grob aehnlich, aber es gibt einen recht fruehen Punkt, an dem die Saettigung erreicht ist. Diesen Punkt gilt es zu erreichen und zu ueberschreiten.
Es wird also eine moeglichst grelle Lichtquelle in der Naehe des unkenntlich zu machenden Objektes (z.B. eines Gesichtes) benoetigt. Wenn man zum 1000W-Baustrahler greift, dann koennte das ausreichen, allerdings riskiert man dann, dass einen nun anstelle der Kameras die Passanten wiedererkennen.
An dieser Stelle ist eine Eigenart der CCD-Kameras hoechst hilfreich: Sie sind auch im Infrarot-Bereich empfindlich. Wer das nicht glaubt, kann ja mal im Dunkeln ein Foto von einer heissen Herdplatte machen. Und Infrarotstrahlung kann man (jenseits von Rotlichtlampen) auch mit IR-LEDs in grosser Menge erzeugen. Es gibt regelrechte IR-Scheinwerfer im Handel (z.B. der Artikel mit der Artikel-Nr.: 114995 - 62 bei Conrad Elektronic).
Wenn man einen solchen Scheinwerfer aus einiger Entfernung etwas beleuchten laesst, dann nuetzt es. Wenn man damit etwas aus naechster Naehe Etwas beleuchtet, dann ist das Etwas ueberbelichtet -- auch nicht schlecht. Ansonsten waere die Anwendung, entsprechende "superhelle" IR-Dioden in der Kleidung verschwinden zu lassen, damit sie die Kamera bezueglich des in der Kleidung befindlichen Individuums blenden.
Meine Idee waere ein Hut (z.B. ein Basecap oder eine Melone), den man danach im wahrsten Sinne des Wortes als "Tarnkappe" bezeichnen kann. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, so etwas mal zu bauen oder einen generellen Test durchzufuehren.

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