Ankunft

Am letzten Tag des Januars war es soweit: Mein fabrikneues T60 stand bei der Post zur Abholung gegen Bares bereit. Das Geraet kommt in einem Karton daher, der mich zweifeln läßt, ob man mir bei IBM nicht doch versehentlich einen Grossrechner zugeschickt hat. Hat man aber nicht. Das Paket kommt schliesslich von Lenovo.

Und was ist drin? Innerhalb des Paketes erwartet mich viel Luftpolsterung, ein billiges Headset (sog. "Multimedia-Package") sowie noch ein kleinerer Karton, der ungefähr 1/3 des Volumens im großen Karton ausmacht.

In diesem Karton im Karton erwartet mich dann erstmal eine Zusammenstellung aus Handbüchern, einem Netzteil, dem obligatorischen RJ11-Kabel fuer das integrierte Modem (dafür haben alle Kabel dabei. Aber nie für RJ45.. das waere ja auch nützlich...). Unter diesen ganzen tollen Dingen finde ich schließ eher unauffaellig einen rechteckigen, schwarzen Gegenstand. Freundlich glaenzt mir ein "IBM"-Logo entgegen.

Erstes Anlaufenlassen

Vorsichtig wird der Deckel geöffnet. Obwohl US-Layout (beim Programmieren und beim Schreiben in LaTeX durchaus praktisch), habe ich schon eine "neue" Tastatur. Soll heissen, auf der blauen Taste steht nicht mehr "Access IBM" sondern darüber steht "ThinkVantage" - außerdem wirkt die gesamte Tastatur weniger robust verarbeitet als bei Vorgängermodellen wie dem T43. Und (was mich beinahe wirklich stört) - ich habe eine Windows-Taste. Mit der Übernahme durch Lenovo mußte man wohl zu Consumer-Ware übergehen. Nun ja, ich kann es für den Moment nicht ändern.

Ob der Akku wohl geladen ist? Vorsichtig wird er eingesetzt und dann erwartungsvoll auf den Startknopf gedrückt. Ein paar Leuchtdioden flackern auf, ein Sirren ist zu vernehmen. Er bootet. Er bootet ein Windows. Er bootet ein vorinstalliertes Windows. Welches sich nicht zu Schade ist, mich die nächste halbe Stunden mit Fragen nach 1001 Kleinigkeit zu nerven. Wo ich wohne. Was ich damit machen will. Ob ich es bei Microsoft registrieren will. Ob ich es bei Lenovo registrieren will. Will ich alles nicht und eine halbe Stunde sp&aum;ter sehe ich mal wieder einen XP-Desktop. Und eine reichlich überladene Notification Area. 4 Programme wetteifern mit bunten Blasen und Dialogen um meine Aufmerksamkeit. Wenn ich den Meldungen glaube, habe ich ein grosses Sicherheitsloch gekauft. Nun, da das Windows zuende gebootet hat (zumindest tut es dem Benutzer gegenueber so), kann ich es ja gleich wieder herunterfahren. Um zu probieren, ob die UltraBay hält, was IBM verspricht.

Vista

Von lando bekomme ich eine Festplatte im UltraBay-Einschub mit installiertem Windows Vista .. zur ergründung der Frage, ob mein UltraBay brauchbar ist und Windows damit klarkommt, wenn die Hardware zwischen zwei Bootvorgaengen von T43p nach T60 wechselt.

Zu meinem Erstaunen ist festzustellen, dass es kaum Probleme gibt, nur der Bildschirmtreiber benötigt eine Auffrischung aus dem Internet. Die soll er haben.

Danach kann ich mich mit den Freuden eines Klickibuntisystems herumschlagen, beim Versuch, für das RSN eine Anleitung zur Herstellung einer simplen Einwahl in das Uni-VPN zu erstellen. Nach Feststellung eines Bugs in mspaint oder der Zwischenablage (nach einer bestimmten Anzahl von Screenshot-Einfügen-Sichern-Zyklen möchte er einfach keine neuen Screenshots mehr einfügen; nach einem Neustart von mspaint geht es wieder) habe ich es geschafft und diese Fototapete fertig.

Mittlerweile war es knapp halb eins in der Nacht und Zeit, ein Betriebssystem (Defn. von Professor Tavangarian: Betriebssysteme zeichnen sich durch das Mitbringen von Compilern aus) zu installieren. Dazu wurde noch schnell die Windows-Partition von vermessenen 80 auf angemessene 20 GB zusammengestaucht.

FreeBSD

Da ist zunächst einmal die Frage "woher nehmen?". Schnell fand sich noch eine Installations-CD für ein FreeBSD in der aktuellen Current-Version. Current bedeutet nichts anderes als "direkt an aus der Tastatur der Entwickler in meinen Rechner". Und das mit allen Konsequenzen. Wenn jemand Mist baut, dann habe ich vielleicht ein Probelem und ein paar Tage keinen Netzwerkkartentreiber. Nun ja, die Installation lief problemlos (wie ich es von FreeBSD eigentlich gewohnt bin, aber das kann eine Frage der Routine sein...). Als das Grundsystem installiert war, habe ich erstmal die Dinge aus den Ports zusammengezimmert, die für ein System nicht essenziell sind aber es sowas wie benutzerfreundlich machen (für BSD-Definition von "Benutzerfreundlich"): Das sind die Programme "bash", "screen" sowie der MidnightCommander. Als diese Programme fertig waren, habe ich noch den X-Server an- und mich selbst ins Bett geschubbst.

Innere Uhren sind was feines. Meine wusste, dass ich noch ein xfce4 bauen musste, bevor ich in die Mensa konnte. Also bin ich nach 4 Studen wieder aufgewacht um xfce in die Wege zu leiten... leider hatte ich in der Nacht den falschen Pfad erwischt und nich den Xorg-Server mit Stuff (xterm, fonts und Kleinigkeiten) gebaut, sondern nur den nackten Server... also hab ich bis 9 zugesehen, wie sich ein X-Server baute.. dieses Mal mit Krams. Nun konnte endlich xfce folgen. Währenddessen fing ich an, eines zu vermissen: Ein Interface für die Integrierte wireless LAN-Karte... ich fand nichts dementsprechendes. Es war aber vorhanden, Windows hatte es angezeigt und ich hatte es benutzen können. Sehr merkwürdig, die Harware in Thinkpads steht doch schon aufgrund ihrer Verbreitung im Ruf, von BSDs noch am besten unterstützt zu werden...

Es kam, wie es kommen musste. Ich saß in der Mensa und hatte der integrierte WLAN noch immer nicht zum laufen bewegen können... Immherin konnte ich in Erfahrung bringen, dass ich eine brandneue Hardware habe... und der Treiber momentan noch portiert wird. Aber ich kann damit leben. Bis dahin benutze ich eben meine Atheros-PCMCIA-Karte. Wofür sonst hat man ein Brillenetui?

Fazit

Oh, ein wirkliches Fazit kann noch keiner Erwarten. Das werde ich mir erst 1.5 Wochen nach Erhalt gebildet haben, wenn ich vor der Frage stehe, ob ich nicht doch noch schnell vom Kauf zurücktreten möchte. Aber bisher kann ich Folgendes feststellen:

Zusammengefasst bin ich vorsichtig optimistisch, dass ich an dem IBM mindestens ein halbes Jahr meine Freude haben werde...

Gewidmet meinem kleinen Apfel der in die große Plantage eingegangen ist. War schön mit ihm.

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