Ich mag Radio. So als Medium und als Politikum. Und ich mag Netzwerke. So als Medium und als Uebertragungsweg. Aber ich kann ja nicht ueberall zugleich sein. Da sind Aufzeichnungen was feines, falls man mal was Nachschauen moechte. Das kann man analog machen. Da der Platz meiner Behausung aber dann doch recht eng limitiert ist reicht es nicht, fuer eine 8-Spur-Bandmaschine; ganz zu schweigen von einem Archiv fuer die Mitschnittbaender. Andererseits aber habe ich eine Unmenge an Festplattenkapazitaet und diverse Sender senden auch einen Webstream aus. Dieser laesst sich nun hingegen hoechst platzsparend mitschneiden. Also heisst die Loesung: Webstreams aufzeichnen.\

Ein paar Gedanken ueber Radio frueher und heute

Wie bereits im Abstrakt angedeutet, ich mag Radio. Und zwar Radio, dass aus mehr besteht als einer Person, die Morgens um Acht die Automation einschaltet, die dann alle 3 Titel ein Jingle einstreut gepaart mit dem Call-In eines superbegeisterten Hoerers um Halb. Um Voll gibt es dann noch die Nachrichten, die erst neulich von 2 ganzen Minuten auf 1:30 gekuerzt wurden -- die 30 Sekunden kann man zwischen dem Verkehrsservice (natuerlich auch zu 40% aus Call-Ins gefuellt) und dem Nachrichtenblock noch zu Hoechstpreisen auf dem Werbemarkt verkaufen. Und in den 1:30 fuer die Nachrichten? Was schafft man da noch? Das Wichtigste aus "deiner Stadt, deinem Land und der Welt".
*schuettel*
Es beginnt mit dem penetranten Dauerduzen -- das mag innerhalb einer Gruppe wie der Studierendenschaft ja normal und angebracht sein. Aber bereits die wissenschaftlichen Mitarbeiter Sieze ich, bis mir das Du angeboten wird. Das ist altmodisch, ja. Und es hat Stil. Finde ich. Dann kommt mein Informationsbeduerfnis dazu. Diese Welt ist so unglaublich vielfaeltig, da passiert mehr als das, was man in 1:30 im Format der Vier-Buchstaben-Zeitung abhandeln kann. Und es sind auch bei mehr Ereignissen Radioleute dabei.. da moechte ich wetten :)
Insofern schaetze ich die verbleibenden Sender, die Call-Ins nur in eigens dafuer vorgesehenen Sendungen zulassen, die mich als Hoerer Siezen und die noch ein richtiges Programm haben, eben keine Dauerhintergrundgutelaunesendungen und bei denen noch Leute im Studio sitzen, die wissen, wie man mit sowas umgeht.
Das Beste: Es gibt dieses hochwertige Radio noch :)
Einfach mal suchen. Ein Tipp: Tendentiell eher nicht die privaten Sendeanstalten.

Ein paar Gedanken zum Radio im Internet

Damals, als Radio nur die Verbreitungswege "Kabel" oder "Luft" kannte, war es noch elitaer. Wer senden wollte (und zwar wirklich regelmaessig und ohne Angst vor gelben Messwagen mit grossen Antennen haben zu muessen), brauchte Geld. Das bekam man entweder per GEZ von den Buergern selbst oder aber aus Werbung. Und es musste eine ganze Menge davon her, denn einen Sender gruendet man nicht einfach so aus der Portokasse heraus.
Dann kam das Internet.
Und alles wurde... naja, es wurde anders. Einen Shoutcast kann prinzipiell jeder machen, vom verpickelten Pubertierenden, der seinen Techno in die Welt (nun auch jenseits der bereits vom Subwoofer aus optimal versorgten Wohnungen links, rechts, drueber und drunter) hinauswummert bis zum ewiggestrigen Tattergreis, der mit zitternder Hand Propaganda von gestern in das Netz von morgen verbreitet. Und zwischen diesen beiden Extrema sind viele Ehrenhafte, die Radio machen, weil es ihnen Spass macht. Sie senden Sonntags von 21-22 Uhr fuer ein paar Freunde. Sie erfreuen sich an dem, was das Faszinosum Radio ausmacht - Tonuebertragung ueber weite Strecken. Und auch die ganz klassischen Sender haben ihre Stellung gefunden oder sind dabei, sie zu finden. Und erfreulicherweise bieten viele von ihnen ihr Programm auch als Webstream an. Da sind sie den Fernsehmachern wieder einen Schritt voraus. Aber, ich bin unfair. Es ist ja nicht so, dass es Intrnetfernsehen nicht gaebe. Aber die Qualitaet ist noch nicht so ausgereift, wie bei einem guten Webstream. Dieser kommt mit ~15 kB/s in guter Qualitaet daher und mit ~5kB/s noch immer in hoerbarer. Fuer eine brauchbare Fernsehuebertragung braucht es wohl deutlich mehr.
Besser noch: Oft ist es ein MP3-codierter Stream. Sehr praktisch, diesen kann man einfach in eine Datei schreiben und hat dann schon den Mitschnitt als MP3-Datei.

Das Mitschnittscript

Nun kommt wieder meine Vorliebe fuer unixartige Betriebssysteme zum Tragen. Denn hier habe ich alles auf der Kommandozeile bei mir, was ich brauche. Wenn ich einen Webstream hoeren will, dann uebergebe ich ihn vertrauensvoll an mplayer und wenn ich ihn speichern will, dann eben an wget. Genau das mache ich in diesem Skript. Aber die erste Naeherung

[ad001@glas /usr/home/ad001]$ wget URL
--2009-02-20 01:07:22--  URL
Resolving URL-live.mp3.URL.de... 19.59.28.73
Connecting to URL-live.mp3.URL.de|19.59.28.73|:80... connected.
HTTP request sent, awaiting response... 200 OK
Length: unspecified [audio/mpeg]
Saving to: `URL_live'

    [                              <=>                ] 131,591     5.76K/s
ergibt zwar einen Mitschnitt, der jedoch potentiell nur zu einer sehr grossen Datei fuehrt. Viel Spass, wenn man dann doch mal Etwas suchen sollte. Deshalb muss die Datei zerhackt werden. Das koennte man nun mit Kommandozeilenprogrammen zur Audiobearbeitung machen.. aber es ist deutlich einfacher, wenn man den Download (nichts anderes ist das Hoeren eines Streams am Ende schliesslich) nach einer vorgegebenen Zeitspanne unterbricht und in eine andere Datei fortsetzt. Dann hat man immer noch die Moeglichkeit, eine grosse Sendung wieder zusemmenzuschneiden, findet aber eher mal was wieder, wenn man mit Datum und Uhrzeit benannte Dateien hat. Glaubensfrage hierbei duerfte die Mitschnittlaenge sein... ich habe mich mal spontan fuer 10 Minuten entschieden. Ganze Sendungen sind zwar oft laenger, aber wenn man nur einen Ausspruch sucht, dann sind 10 Minuten eher durchsuchbar.
Nun also das Ergebnis meines Gruebelns:
#! /bin/sh
export DURATION=600
export URL=$1
export DESTDIR=$2

echo "Recording $URL."
echo "File will be changed after a delay of $DURATION seconds."
echo "Using directory $DESTDIR as archive."
export PID=$!
while [ true ]
do
        wget -O $DESTDIR/`date +%Y%m%d-%H%M%S`.mp3 $URL &
        kill $PID
        export PID=$!
        echo "wget has PID $PID"
        sleep $DURATION
done

Die Idee ist also, wget in den Hintergrund zu starten, sich mit $! die PID des im Hintergrund laufenden Prozesses zu holen, dann ein wenig zu warten um anschliessend ein neues wget loszuschicken und dann erst das bisherige zu stoppen. Einfach und elegant. Der Aufruf ist entsprechend
[user@maschine mySuperWd] ./streamarchive.sh URL archive-dir/
und dann springt das Skript in eine Endlosschleife und wird immer $DURATION Sekunden lange Stuecke archivieren. Sehr huebsch, das.
Uebrigens, was die Zusammenschneidbarkeit angeht: Ein kurzer Test mit einem in der Mitte Deutschlands beheimateten Inforadio ergab, dass sich die einzelnen Mitschnitte um ca. 8 Sekunden ueberschneiden. Also sehr komfortabel.

Und doch ein Wermutstropfen

Das mag ja alles gut und schoen sein, mit Webstreams ist es alles ein Kinderspiel. Es ist leicht einzurichten, das benoetigte Material hat heute eigentlich jeder zur Verfuegung. Und dennoch: Das Abspielen eines Webstreams wird niemals das gleiche Gefuehl erzeugen wie der kleine selbstgebaute Mittelwellenempfaenger, der in verschwitzten Haenden gerade seinen ersten Ton von sich gibt. Das Wickeln einer Spule, das Hin-und-Herschieben des Ferritstabes in der Spule in Ermangelung eines Drehkos oder die einsetzende Rueckkopplung eines Audions, das alles entgeht dem digitalen Hoerer. Radio ist Handwerk.

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