Ein Entwickler von Computerhardware wurde einmal mit den Worten "Warum sollten wir Produkte designen, die laenger als drei Jahre halten?" zitiert. Die offensichtliche Antwort der Nutzererfreunis und Kundenzufriedenheit einmal beiseite lassend, scheint dieser Leitsatz auch bei Samsung an igendeiner Wand kluger Mantras zu prangen. Zumindest, wenn ich die Ausfaelle von Monitoren dieses Herstellers in meiner Umgebung betrachte. Die Einschlaege kommen naeher.

Das Phaenomen

Samsung SyncMaster steht auf den beiden Monitoren, die auf dem Schreibtisch meines Mitbewohners standen. Erworben hat er sie im Abstand von vier Monaten. Nun sind sie im gleichen Abstand kaputtgegangen. Somit hatten beide eine effektive Lebenszeit von 3 Jahren und 4 Monaten. Das verblueffende hieran ist nun die Gleichheit der Lebenszeit. Und bei meinem anderen Mitbewohner kuendigt sich der Defekt auch schon an. Ich habe auch so einen Monitor auf dem Schreibtisch. Und beaeuge ihn misstrauisch.
Natuerlich kenne ich die Badewannenkurve fuer die Ausfallwahrscheinlichkeit elektronischer Komponenten, hier sei sie kurz skizziert.

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 | Ersteinsatz                 Lebenszeitende
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Am Anfang des Produkteinsatzes gibt es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Teile durch Produktionsfehler beim "ersten Einschalten" einen Defekt aufweisen und zum Ausfall des Geraets fuehren. Dem schliesst sich die "normale" Lebenszeit an, in der ein Ausfall ohne aeusseren Einfluss relativ unwahrscheinlich -- wenn auch nicht unmoeglich -- ist. Diese neigt sich schliesslich dem Ende zu und nun sind es Verschleisseffekte, die einen Ausfall wahrscheinlicher werden lassen; allerdings steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit hier lange nicht so steil an, wie sie zu Beginn des Lebenszyklus abgefallen ist.
Die spannende Frage ist also, wie entwirft man eine Schaltung so, dass sie nach einer moeglichst praezise vorgegebenen Zeit des "natuerlichen Schaltungstodes" stirbt? Dazu seien hier die Ausfallursachen der Monitore betrachtet. Die Monitore haben fuer die Logik (gemeint ist der Teil, der zwischen einem VGA/DVI-Signal und der Ansteuerungslogik des eigentlichen Panels vermittelt) und die Stromversorgung getrennte Baugruppen. Dabei uebernimmt der Stromversorgungsteil auch die Hochspannungsaufbereitung fuer die Hintergrundbeleuchtung (es handelt sich hierbei um duenne Leuchtstoffroehren, die mit ~2kV betrieben werden). Somit besteht in allen beobachteten Faellen die Moeglichkeit, dass das Problem in der Stromversorgung liegt. Da mir momentan die Zeit (und das Werkzeug) fehlt, um die zwei Stromversorgungsteile komplett durchzumessen und den Defekt zu finden, soll hier eine andere Herangehensweise gewaehlt werden: Ich unterstelle dem Hersteller ein planvolles Vorgehen. Um mich anschliessend selbst zu fragen, wie ich es angestellt haette.

Wie wuerde ich es anstellen

Guten Morgen, Q.
Ihre heutige Aufgabe: Entwickeln Sie eine Stromversorgung, die den folgenden Kriterien genuegt:

Sie haben eine Woche.
Zugegeben, das war ein bisschen sehr James Bond, aber es macht klar, was die Designziele sind: Zunaechst Zuverlaessigkeit, denn das bringt Kundenzufriedenheit. Nach der Garantie/Gewaehrleistungszeit dann darf sich langsam ankuendigen, dass das Geraet den Geist aufgeben wird. Ein Flackern der Hintergrundbeleuchtung beim Einschalten macht dies wunderbar klar und wird den Kunden im Idealfall zum Ersatzkauf des gleichen Modells bringen, denn bisher hat er ja gute Erfahrungen damit gemacht. Schliesslich ausschleichender Entzug: Laesst sich der Monitor anfangs noch mit 5 Schaltspielen zum Einsatz bringen, kann dies wenig spaeter nurmehr mit 50 Schaltspielen erreicht werden. Kaeme es hingegen zu einem aprupten Ausfall, schlimmtenfalls mit Geraeuschen, Geruechen oder sonstig wahrnehmbarer Zerstoerung, waere dies kontraproduktiv. Denn niemand wird sich ueber ein langsam dahinsiechendes Geraet oeffentlich auslassen. Ueber eines, dass knistert, knallt oder qualmt hingegen schon eher. Gruesse vom PR-and-Sales-Department.
Was also gibt es fuer Moeglichkeiten, dies zu erreichen? Es gibt also einige Moeglichkeiten.
Nun aber genug der Verschwoerungstheorien und zurueck ins Leben. Was tun, wenn der Monitor hinueber, die Garantie abgelaufen und eine Reperatur nicht augenfaellig einfach moeglich ist?

Das Recycling

Recycling beginnt mit der Oeffnung des Gehaeuses. Drei Schrauben am Gehaeuse (eine davon unter dem Winkel, mit dem der Fuss befestigt ist) und ein Spachtel zum Ueberwinden der Snap-In-Teile gewaehren Zugang zum (zimlich aufgeraeumten) Innenleben. Vorsicht vor dem Kabel, dass die Bedienteile mit der Logik verbindet! Die zwei metallgekapselten Teile laesst sich auseinanderklappen, wenn man den Flachkabelverbinder vom TFT-Panel abzieht (an den Seiten sind Haken). Danach sind noch 8 Kabel von der Hochspannungsversorgung zum Panel verbunden; diese lassen sich auf Seite der Hochspannungsversorgung ebenfalls abziehen (auch hier -- Hakenkonstrukte).
Als naechstes wird das Panel weiter auseinandergenommen: Drei kleine Schraeubchen halten auf der Rueckseite die Ansteuerungslogik; anschliessend darf wieder mit dem Spachtel gegen Snap-In-Montage gekaempft werden. Danach kann man sich das Panel durch Kippen entgegenfallen lassen. Im Idealfall haelt man nun das Panel und die durch Flachbahnleiter verbundene direkte Ansteuerlogik in der Hand.
Nun benoetigt man noch den Schaltungsteil, der zwischen dem Panel und einem PC vermittelt... die entsprechende Platine ist erfreunlich leicht abzuschrauben. Die Stromversorgung wird noch von der urspruenglichen Schaltung getrennt und durch ein Steckernetzteil mit 12V ersetzt. Erfreulicherweise sind Leitungen gut beschriftet, so dass die Belegung einfach zu uebernehmen ist:

1 o----	(unbeschaltet; urspruenglich Power On)
2 o---- GND
3 o---- GND
4 o---- GND
5 o---- +12V
6 o---- +12V
7 o---- +12V
8 o---- unbeschaltet; Kommunikation mit Netzteil (Beleuchtungshelligkeit)
9 o---- unbeschaltet; Kommunikation mit Netzteil (Beleuchtungshelligkeit)
Belegt man nun den Spannungseingang und einen der Signaleingaenge, kann man mit der kleinen Platine aus der Frontabdeckung den "Monitor" einschalten und erkennt bei Durchsicht auch Bilder... Nun braucht es nur noch eine Hintergrundbeleuchtung. Oder Durchleuchtung, denn das Panel kann man ja auch einfach auf einen Overheadprojektor legen (Danke an das IfI fuer 24/7 bereitgestellte Projektoren :)


Hier die Beweisfotos, denn "Pics, or it didn't happen!".
Eine wirkliche praktische Weiterverwendung stellt sich allerdings als komplizierter als befuerchtet heraus, weil das Panel einfach nur unglaublich unhandlich ist.

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