In den Zeiten, in denen alle nach den neueren, schnelleren und sowiso tolleren Computern streben goenne ich mir den Luxus, dem Zeitgeist zu wiederstreben. Konkret: Ich blicke nicht vorwaerts, ich blicke zurueck. Es gab viele tolle Architekturen, die dem Untergang geweiht sind. Oder vielleicht auch nicht. Mal sehen. Hier soll es nun um eine kleine DEC VaxStation 4000 VLC gehen, die sich bei mir eingefunden hat und auf der ich im Moment herumspiele.

Wie kommt es zu sowas?

Angefangen hat es damit, dass mir dieser Link hier http://www.allbsd.de/pipermail/allbsd-misc/2008-February/000486.html zugelaufen wurde (Dank an ankon bei der Gelegenheit). Da ich sowiso eine Vorliebe fuer etwas aeltere Systeme habe im Vergleich zum Hupe ...aeh Hype, der nach dem immer neuen, tollen und schnelleren Rechner nachlaeuft. Also mal per IRC kontakt aufgenommen und siehe da, schon ein paar Wochen spaeter bekam ich ein Paket :)
Was ich eigentlich haben wollte war ein PPC-System von Motorola. Aber das habe ich noch nicht zum Laufen gebarcht; mit einem Debian Linux waer das wohl kein Problem, aber ich haette gern eine BSD-Distribution. Der Hinweis "BSD-Status: unbekannt" ist da Herausforderung genug. Irgendwann als man in Bonn am Packen war, fragte man mich, womit man den Karton noch auffuellen solle, da sei noch Platz. Ich schlug Styropor oder eine VAX vor. Und... beim Auspacken stellte ich fest, dass ich beides bekommen habe :D
Nachdem ich mein Zimmer halbwegs von den Styroporbroeseln bereinigt hatte nahm ich meine neuen Besitztuemer in Augenschein. Die PPC-Maschine erweckte den Eindruck eines ganz "normalen" Systems; die VAX sah.. etwas antik aus. Eine Pizzaschachtel. Auf zum Basteln!

Datenaustausch auf Systemkonsolenebene

Dann stellte sich die Frage, wie man denn nun Daten in das Ding reinbekommt oder rausbekommen soll. Es gibt da zwar einen Videoanschluss und auch etwas, dass den Eindruck erweckt, man koenne dort eine Tastatur anstoepseln -- aber ich fuerchte, ich werde einfach keinen geeigneten Stecker finden. Und ich hatte gerade keine Lust, an der Kiste umzuloeten um mir den Adapter zu sparen. Also mal wieder serielle Verbdindung. Wer mich kennt, der weiss, wie sehr ich serielle Verbindungen schaetze, also flugs die Kiste nach Stoepselungsmoeglichkeiten abgesucht, die eine serielle Systemkonsole versprechen. Hm. Nicht wirklich ermutigend. Also mal kurz zu http://www.frag-onkel-google.de/ getingelt und die Frage aller Fragen gefragt. Ergebnis: Die kleine Buchse, die so aussieht, als wenn sie mal eine fuer RJ11 werden wollte aber der Nupps unten verrutscht ist. Die korrekte Bezeichnung des Steckers lautet 6MMJ. Bis ich dazu endlich mal eine Zeichnung erstellt habe, verlinke ich mal auf eine Anleitung, die ich zwar sprachlich nicht verstehen kann aber deren Schemazeichnung zum Stecker mir geholfen hat: http://koeln.ccc.de/ablage/vax/konzol.txt. Dort beim CCC fand ich auch den wichtigen Hinweis, dass der kleine Schalter auf der Rueckseite der Maschine massgeblich beeinflusst, ob der graphische- oder der serielle Ausgang genutzt wird. Da ich keine Lust auf Suchen, Handeln und Warten mit ebay hatte, habe ich mir kurzerhand einen RJ11-Stecker genommen und ihm mit Zange und Feile seinen Wiederhaken entfernt. Nun liess er sich halbwegs verkantungsfrei in die Buchse stoepseln. Das naechste Problem war die Belegung des Steckers, aber dafuer war die oben angegebene Skizze ja voellig ausreichend. Nun noch auf der anderen Seite behelfsmaessig ans Terminal gestoepselt und dann mal die Pizzaschachtel mit Strom versorgt -- eingeschaltet -- das SCSI-Sirren abgewartet -- und dann kam Text auf der Konslole an.

Netzwerk

Was ist ein Rechner ohne irgendeine Form von Netzwerkanschluss wert? Ziemlich wenig. Zumindest, wenn man ein wenig produktiv werden will und dabei Daten austauschen moechte (und wenn es nur das home-Verzeichnis ist, dass man nicht auf jeder Maschine seperat pflegen will) oder aber ein Betriebssystem aufsetzen moechte, dass stark auf eine vorhandenen Anbindung ans Internet angewiesen ist, um weitere Programme hinzuzufuegen. Also: Netzwerk muss her. Aber.. da gab es keinen der heute populaeren oder bekannten Netzwerkanschluesse -- kein RJ45 fuer Twisted Pair-Ethernet, kein BNC fuer Koax-Straenge. Aber ein AUI-Anschluss ist vorhanden, es braucht nur einen Transciver (fuer mehr Infos, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Attachment_Unit_Interface). Zum Glueck war ein Transciver greifbar und der spass funktioniert mit einer sagenhaften Geschwindigkeit von ... geschaetzten 1 MBit/s. Aber das macht gar nichts, die CPU ist eh langsamer als der Rest des Ensembles.

Betriebssystem

Nachdem nun die Systemkonsole vor mir lag, stoepselte ich ein SCSI-CD-Laufwerk an und begab mich auf die Suche nach einem geeigneten Betriebssystem. Sicherlich, Debian laeuft auf VAX, aber .. irgendwie haenge ich zu sehr an BSD. Dieses mal wurde es ein NetBSD, da der VAX-Support von FreeBSD nichtexistent ist. Also flugs eine Installations-CD fuer ein NetBSD 4.0-stable geladen und dann in das Laufwerk damit. Und dann steht man vor dem "BIOS"-Prompt. Hier eine kleine Hilfestellung, wie man mit dem Prompt zum Booten kommt:

>>> show device

  VMS/VMB      ADDR      DEVTYPE    NUMBYTES    RM/FX    WP    DEVNAM     REV
  -------      ----      -------    --------    -----    --    ------     ---
  ESA0         08-00-2B-3E-4A-64 
  DKA100       A/1/0     DISK       274.63MB    FX             DDRS-34    S97B
  ..HostID..   A/6       INITR



>>> boot dka100


-DKA100
>> NetBSD/vax boot [1.11 Sun Dec 16 01:11:56 PST 2007] <<
>> Press any key to abort autoboot 5
Durch einen Boot des CD-Laufwerkes kam ich dann zu einer NetBSD-Installation. Natuerlich ist das ganze recht langsam. Die Festplattenoperationen wirken noch ertraeglich schnell, aber das Entpacken der Sets gab mir einen Eindruck davon, dass man frueher einfach noch mehr Zeit hatte. Das Entpacken der Sets brauchte seine Zeit aber es ging voran. Dann war es soweit, das NetBSD konnte selbstaendig gebootet werden. Fuer die Interessierten hier einmal die Ausgabe eines demsg:
keks: {1} dmesg
Copyright (c) 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005,
    2006, 2007
    The NetBSD Foundation, Inc.  All rights reserved.
Copyright (c) 1982, 1986, 1989, 1991, 1993
    The Regents of the University of California.  All rights reserved.

NetBSD 4.0 (GENERIC) #0: Sun Dec 16 01:45:50 PST 2007
        builds@wb25:/home/builds/ab/netbsd-4-0-RELEASE/vax/200712160005Z-obj/home/builds/ab/netbsd-4-0-RELEASE/src/sys/arch/vax/compile/GENERIC
VAXstation 4000 VLC
cpu: KA48
cpu: turning on floating point chip
total memory = 24188 KB
avail memory = 20432 KB
mainbus0 (root)
vsbus0 at mainbus0
vsbus0: 32K entry DMA SGMAP at PA 0x3a0000 (VA 0x803a0000)
vsbus0: interrupt mask 0
le0 at vsbus0 csr 0x200e0000 vec 770 ipl 15 maskbit 1 buf 0x0-0xffff
le0: address 08:00:2b:3e:4a:64
le0: 32 receive buffers, 8 transmit buffers
dz0 at vsbus0 csr 0x200a0000 vec 124 ipl 15 maskbit 4
dz0: 4 lines
lkkbd0 at dz0
wskbd0 at lkkbd0 mux 1
lkms0 at dz0
wsmouse0 at lkms0 mux 0
asc0 at vsbus0 csr 0x200c0080 vec 774 ipl 15 maskbit 0
asc0: NCR53C94, 25MHz, SCSI ID 6
scsibus0 at asc0: 8 targets, 8 luns per target
Kernelized RAIDframe activated
scsibus0: waiting 2 seconds for devices to settle...
sd0 at scsibus0 target 1 lun 0: <IBM, DDRS-34560, S97Bi> disk fixed
sd0: 4357 MB, 8387 cyl, 5 head, 212 sec, 512 bytes/sect x 8925000 sectors
sd0: sync (160.00ns offset 15), 8-bit (6.250MB/s) transfers, tagged queueing
boot device: sd0
root on sd0a dumps on sd0b
root file system type: ffs
WARNING: clock gained 3 days
WARNING: CHECK AND RESET THE DATE!
keks: {2} 
(ja, ich habe den Rechner "keks" genannt).

Packagesource

Da es auf die Dauer langweilig ist, ein System ohne weitere Software zu betreiben, wollte ich mir das Standard-Drittsoftware-Installations-System von NetBSD, pkgsrc besorgen. Das ist am einfachsten, indem man sich das ganze per CVS auf den Rechner holt. Da pkgsrc nun nicht gerade wenige Dateien umfasst dauert dies dann doch ein paar Stunden und anschliessend sind schon 7% der Platte voll. Zum Glueck kann man auf NFS ausweichen. Jetzt, da pkgsrc vorhanden ist, koennen die einzelnen Programme kommen.
Ich begann also mit dem Compiliervorgang von security/sudo (ich arbeite ungern als root; lieber als Benutzer, der das Recht hat, sudo zu benutzen)... und stellte fest, dass die Kiste langsam ist -- sehr langsam. Ich schaute dem configure-Lauf zu. Einige der Configure-Vorgaenge brauchten 10 Sekunden, andere Minuten. Ich begann, mich auf das Compilieren zu freuen.. Aber immerhin bekam ich jeden Witz mit, der im Makefile versteckt war und auf schnellen Maschinen einfach nur schnell aus meinem Blickfeld herausscrollt.
Leider musste ich feststellen, dass ich mit NetBSD 4.0 ein Problem bekomme. Und zwar mit dem gcc. Mir wurde von den freundlichen Bewohners des Channels #pkgsrc in freenode geraten, ein Current zu nutzen. Noch habe ich nicht die Zeit gefunden, das Update durchzufuehren.

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