Vor langen Jahren war ich einmal Schueler. Damals hat uns ein Chemielehrer in einer dieser Stunden vor Ferienbeginn, in denen man unterhaltsame Experimente macht, eine interessante Methode verraten, eine missglueckte Klausur zu .. naja, sagen wir mal, zu annulieren.

Disclaimer: Dies ist nicht zur tatsaechlichen Durchfuehrung angeraten. Ich lehne jede Verantwortung oder Haftung fuer durch eventuelle Nachahnmer entstandene Sach- und Personenschaeden ab. Dies ist die Beschreibung eines Experimentes, welches im Abzug eines Chemieraumes durchzufuehren ist. Und es spricht Baende ueber die mutmassliche Intelligenz des durchschnittlichen Internetlesers, dass ich solch einen Absatz ueberhaupt einfuegen muss. Warum ich es dennoch schreibe? Damit dieses Experiment nicht vergessen wird. Weil davon der gleiche Reiz ausgehen wird wie von den Erzaehlungen aelterer Mitmenschen, in der Schule noch mit Quecksilberkuegelchen auf dem Fussboden fangen gespielt zu haben...

Das Problem und die Loesung

Klausur. Und natuerlich hat man nicht gelernt. Die Klausur ist (fast) vorbei und man weiss, dass man es vergeigt hat. Waere es jetzt nicht guenstig, wenn die Klausur sich 3-5 Minuten nach der Abgabe von selbst vernichten koennte?
Hierzu kippe man nur Sekunden bevor die Klausur eingesammelt wird reichlich Klausur-Ex aus der praepatierten Trinkflasche ueber ein oder mehrere Blaetter der Arbeit und lasse diese unter heftigen Entschuldigungen einsammeln. Das Problem ist geloest.
Schon 3-4 Minuten spaeter wird der Stapel gesammelter Klausuren in Flammen aufgehen.

Die Loesung mal so aus der Naehe

Ok, dass es kein Wasser war, wird man sich wohl gedacht haben. Also, chemische Rasterfahndung: Was brennt von alleine beim Kontakt mit Luft?
Ja, jetzt werden sie wieder mit einigen Alkali- und Erdalkalimetallen kommen... aber nein, es ist simpel und so giftig: Weisser Phosphor (http://de.wikipedia.org/wiki/Phosphor). Und dieser wird tatsaechlich unter Wasser aufbewahrt. Aber dann waere er ja immer noch in Klumpenform sichtbar geblieben. Und dem Lehrer ganz sicher aufgefallen. Also muss das Wasser wirklich was anderes gewesen sein. Das war es auch: Es war Tetrachlorkohlenstoff, also http://de.wikipedia.org/wiki/Tetrachlormethan; jenes hoechst erbauliche Gebraeu mit dem Besten aus vier Chloratomen pro Kohlenstoffatom. Hierin ist weisser Phosphor naemlich loeslich; zugleich verfluechtigt es sich bei Zimmertemperatur recht schnell. und dann bleibt nur noch der Phosphor zurueck.. und weisser Phosphor hat an der Luft nix besseres zu tun, als zu verbrennen. Uebrigens, bei der Anwendung von Klausur-Ex wird das Papier derartig damit getraenkt, dass es unrettbar verloren ist -- nur noch eine dauerhafte Aufbewahrung unter Sauerstoffabschluss wuerde es retten (noch Fragen, weshalb Phosphormunition so mieses Zeug ist?).

Riesige Nebenwirkungen

Nachdem nun der Nutzen von Klausur-Ex offenbar ist, will ich hier auch noch die gesammelten Gegenargumente liefern:

Gewidmet R.W.

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