Aus einem extern gegebenen Anlass musste ich ein laengeres Dokument so umgestalten, dass aus einem Literaturverzeichnis derer Zwei wurden. Eine Aufgabe, die sich in LaTeX zunaechst trivial anhoert, aber dann doch mit einem Pferdefuss daherkam. Kleine Dokumentation nun an dieser Stelle. Primaer fuer mich selbst.

Die Ausgangslage: Ein grosses Dokument mit einer BibTeX-Datei, die als Literaturverzeichnis eingebunden wird. Bisher wurden die Zitate ganz klassisch per \cite{Marke} eingebunden und sie landeten dann in der Bibliographie. Das ist schoen, aber nicht genug. Es sollen nun zwei Literaturverzieichnisse werden, nennen wir eines "Kriminalliteratur" und das andere "Schundheftchen". Ich moechte eindeutig mehr Krimis zitieren als Schundheftchen, also soll hierfuer der Aufwand geringer ausfallen. Also fix das Seepferdchen des Weltweiten Informationsozeans gesattelt und losgeritten. Spontan auf das Paket multibib gestossen. Hier also kurz die Benutzung:

Aenderungen in der Praeambel

In der Praeambel muss das Paket eingebunden werden

\usepackage{multibib}
und anschliessend wird das Suffix der Befehle zur Aufnahme von Zitaten in die weitere Bibliographie sowie deren Titel festgelegt:
\newcites{schund}{Schundliteratur}
Hier koennten nun natuerlich auch weitere Bibliographien angeleiert werden. Wichtig ist bis hier: Nach dieser Definition stehen neue Kommandos zur Verfuegung: \citeschund, \bibliographyschund, \bibliographystyleschund. Und vielleicht andere, die mir grade egal sind.

Benutzung im Dokumentenkoerper

Im Dokument koennen die Befehle nun entsprechend verwendet werden -- \cite{marke} fuer ein Zitat aus der "normalen" Bibliographie; \citeschund{marke} fuer ein Zitat aus der Schmuddelbibliographie. Zum Ende des Dokuments wollen nun die beiden Bibliographien ausgegeben werden. Der Einfachheit halber hier mit en bloc:

\renewcommand{\bibname}{Kriminalliteratur}

\bibliographystyle{alpha}
\bibliography{references}
\newpage

\bibliographystyleschund{alpha}
\bibliographyschund{references}
Mit dem ersten Befehl wird die Ueberschrift der regulaeren Bibliographie angepasst -- diese wuerde ansonsten den vordefinierten Namen ("Literatur") behalten, was ab zwei Bibliographien merkwuerdig erscheinen mag. Sodann wird mit den Befahlen 2 und 3 das Literaturverzeichnis "Kriminalliteratur" ausgegeben und durch Befehl 4 eine neue Seite erzwungen.
Befehle 5 und 6 geben nun das naechste Literaturverzeichnis aus, dessen Titel bereits in der Praeambel auf "Schundliteratur" festgelegt worden ist. Es koennen (sollten) uebrigens unterschiedliche Bibtex-Dateien verwendet werden. Ansonsten gibt es massiv doppelt definierte Marken.

Dokumentenerstellung

Hier kommt nun der Punkt, an dem ich mich lange aufgehalten habe. Das LaTeX-Dokument laesst sich wie gewohnt uebersetzen, zur Erstellung der Bibliographie wird ein bibtex-Lauf eingefuegt und anschliessend nochmal ein LaTeX-Lauf. Und dann fehlt trotzdem noch die Schundliteratur. Wie das?
Bei der Benutzung von Multibib wird fuer jede Bibliographie eine eigene aux-Datei angelegt. In diesem Fall also die schund.aux. Und ebendiese muss bibtex uebergeben werden, woraufhin die schund.bbl erzeugt wird, die im naechsten LaTeX-Lauf ihren Weg in die Ausgabe finden wird.
Also zusammengefasst:

shell# latex dokument.tex
shell# bibtex dokument
shell# bibtex schund
shell# latex dokument.tex
shell# latex dokument.tex
shell# latex dokument.tex
Wobei der vorletzte und letzte Lauf fuer die Korrektheit von Inhalts- und anderen Verzeichnissen erforderlich sind.

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