Fotografie, das bedeutet heute fuer viele nur noch CF-Karte, PC und Photoshop. Und das war schon die gute Variante. Dass Fotografie eigentlich eine chemische Angelegenheit ist und dass Papierabzuege ziemlich nass das Licht der Welt erblicken ist heute nur noch wenigen bewusst. Ich lernte es im Chemieunterricht und es weckte meine Freude am Fotografieren und am Selbst-Entwickeln von Filmen und Abzuegen. Hier nun soll es um einen Entwickler gehen, der essenziell aus gefriergetrocknetem Kaffee, Soda und einem Fingerhut Vitamin C besteht.

Mir war mal wieder nach Fotografie, aber ich hatte ein Problem: Das letzte Mal bin ich vor 4 Jahren dazu gkommen und saemtlicher Verbleibender Entwickler duerfte mittlerweile verdorben sein (er wird froehlich vor sich hin oxidiert haben). Was mich zu einem Beschaffungsproblem brachte. Natuerlich haette ich im Internet bestellen koennen, aber bis die Post etwas geliefert haette, waere meine Lust schon wieder verflogen gewesen. Es musste also schnell gehen. Und nach Moeglichkeit mit Zutaten, die es im Handel gibt. Es war Sonnabend abend. Da haben die Apotheken natuerlich schon geschlossen und es hat wirklich nur noch der oertliche Supermarkt offen.

Also mal ein wenig gegoogelt und auch etwas gefunden: Ein Entwickler auf Basis von Instantkaffee unter dem Namen "Coffeenol" -- ggf noch verstaerkt mit Ascorbinsaeure (vulgo Vitamin C) unter dem Namen "Coffenol plus C". Das klang zum einen machbar und zum anderen reizte es den Spieltrieb. Also ab zum Einkaufen -- und festgestellt, dass es kein reines Vitamin C gibt :(

Also habe ich mich bis zum Montag gedulden muessen, an dem dann endlich wieder Apotheken geoeffnet hatten (nein, ich habe den Nacht- und Notdienst nicht wegen 20g Vitamin C aus dem Bett geklingelt). Also fuer 2.21 Euro 20g Vitamin C gekauft und ab zum Alchemistentum.

Das Rezept

In Anlehnung an http://www.fotolaborforum.eu/index.php?showtopic=2047&st=10, hat sich bei mir folgende Rezeptur bewaehrt:

30 GrammNatriumcarbonat (=Soda)
loesen in
0.5 Literwarmem Wasser (verbessert die Loeslichkeit)
30 GrammInstantkaffee (egal, ob mit oder ohne Koffeein)
ebenfalls aufloesen
1/2 TL Vitamin Caufloesen
Wenn man fertig ist, hat man eine zimlich streng nach Kaffee riechende, beinahe teerartige Bruehe vor sich. Zum Testen habe ich ein Bild mit bekannter Belichtungszeit genommen und 2 Minuten entwickelt -- das Ergebnis waren tiefe Schwaerzen und braune Lichter (wobei das Braun, je nach Motiv sehr passen kann). Ich habe mich fuer Bilder von Rostocker Traditionsstrassenbahnen entschieden, also war es passend.
Mein Versuch mit Film ergab im wesentlichen einen versauten Schwarzweiss.. naja, nach dem Entwickeln eher braunschwarz-Film. Der sich natuerlich nicht zum Vergroessern anbietet. Aber, unter http://www.lomography.com/magazine/tipster/2009/07/02/geldnot-macht-erfinderisch-filmentwicklung-mit-kaffee gibt es ein Rezept, dass noch ausprobiert werden will.

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